Werdegang einer Schule im Wandel der Zeit

Der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, ist sie geweiht, die heutige Grundschule im Osten der Stadt Waltrop. Ihr Name weist auf zweierlei hin: Dass diese Schule eng mit dem Bergbau verbunden ist und sich katholischen Grundsätzenverpflichtet weiß.Gehört auch die Bergbautradition nach Schließung der Zeche Waltrop längst der Ver-gangenheit an, so lohnt es doch allemal, sich darauf zu besinnen und einen Blick in die wechselvolle Geschichte dieser Schule zu tun. Als man im Frühjahr 1903 in der Bauernschaft Brockenscheidt mit der Abteufungzugiger Schächte der Zeche Waltrop begann, war damit gleichsam der Anfang für eine Umwälzung in der Wirtschaft und Besiedlung des Waltroper Raums eingeleitet worden. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Zeche entstand zugleich eine Bergarbeitersiedlung. Im Zuge der Waltroper Zechengründung wurde dann auch durch den Bergfiskus in der neu entstandenen Bergarbeitersiedlung – Kolonie genannt – für die Kinder katholischer Konfession aus der Kolonie in dem heutigen Altbau der Barbaraschule ein nach damali-gen Vorstellungen „schmuckes Schulgebäude“ mit 8 Klassenräumen, einer Lehrerwoh-nung, einer Badeanstalt im Keller und Warmwasserheizung eingerichtet. Doch kurz vorher traf ein Ereignis, das auch später nicht spurlos an der jungen Schule vorbeiging, die Waltroper Bergleute und ihre Familien schwer, als nämlich am 2. Febru-ar 1909 der Betrieb auf der gerade erst sechs Jahre alten Zeche durch einen Wasserein-bruch Untertage zum Erliegen kam. Die Kumpel mussten auf Nachbarzechen auswei-chen. Viele Wohnungen in der Kolonie standen leer. Erst vier Jahre später machte der Einbau von Pumpen den Abbau in Waltrop wieder möglich. Auch der 1. Weltkrieghinterließ seine Spuren. Genau am 23. April 1909 öffnete die heutige Barbaraschule, die wegen ihrer unmittelba-ren Nähe zur Kolonie zunächst „Katholische Schule in der Kolonie“ hieß, ihre Pforten. 59 Kinder aus dem Bereich der Kolonie drückten hier fortan die Schulbank in der zu-nächst noch einklassigen Schule. Doch infolge Zuzugs wuchs die Schule bis Ostern 1919 zu einer 7-klassigen Volksschule heran. In der häufigen Namensänderung der Schule spiegelt sich nicht zuletzt auch ihre wech-selvolle Geschichte wieder. So trug die Schule bis März 1938 den Namen „Katholische Schule in der Kolonie“.Ab April 1938 bis März 1939 taucht sie in der Chronik erstmals als „Barbaraschule“ auf. Infolge der Einführung der Gemeinschaftsschule im 3. Reich hieß sie bis Oktober 1939 „Schule Waltrop, Mitte III“, ab November 1939 dann „Glück-Auf-Schule“. Erst am 1. Juni 1952 kann man dann in der Chronik der Schule wieder ihren heutigen Namen „Barbaraschule“ lesen. In den Kriegswirren des 2. Weltkrieges und zum Ende des Krieges wurde das Schulge-bäude – wie andere Schulen der Stadt auch – mehrmals von deutschen Soldaten, später auch durch amerikanisches und englisches Militär belegt. Somit wurden in der Zeit von März 1945 bis Oktober 1945 alle Schulen in Waltrop für den Schulbetrieb geschlossen. Erst am 22. Oktober 1945 gestattete es die Militärregierung, dass an den Waltroper Schulen für die unteren vier Jahrgänge der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Als die Barbaraschule im Jahre 1959 ihr Goldenes Schuljubiläum beging, zählte sie mitt-lerweile weit über 400 Schülerinnen und Schüler. Sie war zu einer 10-klassigen Bil-dungseinrichtung herangewachsen, an der acht Lehrkräfte tätig waren. In diesem Jahre auch ging das Schulgebäude, das bis dahin Eigentum der Waltroper Schachtanlage ge-wesen war, in den Besitz der Stadt Waltrop über. Das einst so schmucke Schulgebäude trug nun deutliche Spuren seines Alters und war den Erfordernissen seiner Zeit nicht mehr gewachsen, denn was noch vor 50 Jahren als mustergültig galt, entsprach nun nicht mehr den Anforderungen, die an eine moderne Bildungsstätte zu stellen waren. Das erkannten wohl auch die Gemeinde Waltrop und die damalige Landesregierung. Sie stimmten einem Anbau und der Modernisierung des alten Teils der Schule zu. So konnte bereits am 12. September 1960 der Erweiterungsbau feierlich eingeweiht und dem damaligen Rektor, Herrn Petzelt, zu seiner Bestimmung übergeben werden. Weiter steigende Schülerzahlen – zum Teil auch bedingt durch die Auflösung der „Zwergenschulen“ in den Bauernschaften im Jahre 1966 – ließen die Barbaraschule bald 12-klassig werden. Im Jahre 1968 erfolgte im Zuge der Neugliederung der Volksschule in einen Grundschul- und Hauptschulbereich die Umwandlung der Barbaraschule in eine katholische Grund-schule, deren erster Rektor Günter Brasch war. In den 70er Jahren übertrafen die Schülerzahlen bald alle Erwartungen. 120 bis 130 Schulneulinge waren keine Seltenheit, so dass die Schülerzahl der Barbaraschule bald auf 500 und mehr anstieg. Bedingt durch den damals herrschenden Lehrermangel erga-ben sich – wie auch in anderen Schulen – erhebliche Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Stundentafel und der Belegung der Klassenräume. Kürzungen in allen Unterrichtsfä-chern, parallele Doppelbelegungen von Klassenräumen, Teilung von Klassenräumen durch bauliche Maßnahmen und Klassenstärken von bis zu 56 Schülern waren die Folge und lange Zeit die Regel. Am Ende der 70er Jahre, mit Beginn der 80er Jahre bis in die heutige Zeit hinein erga-ben bzw. ergeben sich dann andere Probleme, mit denen sich Schulleiter und Kollegium der Schule zu beschäftigen hatten: Sinkende Schülerzahlen, die Integration ausländischer und übergesiedelter Kinder waren bzw. sind Themen, die die Barbaraschule mit anderen Schulen der Gemeinde und des Landes gemeinsam hat(te). Im Jahre 1990 war die Barbaraschule mit ihren ca. 250 Schülerinnen und Schülern zwei- bzw. dreizügig. Nach Auflösung der ehemaligen katholischen Hirschkampschule/Hauptschule und der Umwandlung der ehemals katholischen Kardinal-von-Galen-Schule/Grundschule in eine Gemeinschaftsgrundschule ist sie die einzige katholische Schule am Ort. Mit der Gründung des Fördervereins der Barbaraschule 1999 gelang es dann in gemein-samer Anstrengung mit der Schulleitung unter Rektor Horst Solinski und der Stadt, dem immer häufiger geäußerten Wunsch nach einer Betreuung der Schulkinder auch in unter-richtsfreien Zeiten nachzukommen. Zunächst unter Trägerschaft des Fördervereins, spä-ter der AWO, konnten entsprechende Angebote in der für diesen Zweck umgebauten ehemaligen Hausmeisterwohnung gemacht werden. Dieses - dann schon etablierte - Betreuungsangebot erleichterte im Schuljahr 2005/06 die Umwandlung der Barbaraschule in eine Offene Ganztagsschule enorm. Räumlichkeiten, Träger und Personal waren schon vorhanden, einzig eine Mensa musste noch eingerichtet werden. Geeignete Räume hierfür fanden sich im Kellergeschoss des Altbaus. „Kinder sind unsere Zukunft“ ist die Zielsetzung und Betriebsphilosophie des Barbara-hauses. Kinder stark zu machen und ihnen ein Rüstzeug mitzugeben, in unserer Gesell-schaft mitwirken zu können, ist eine der wichtigsten Aufgaben. Die Offene Ganztags Grundschule (OGS) soll durch ihre Rahmenbedingungen auch die Verlässlichkeit des Ganztagsangebots für Eltern sichern, um hierdurch einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leisten. 2009 – im Jahre ihres hundertjährigen Bestehens – besuchen ca. 290 Schülerinnen und Schüler die Barbaraschule. Und mit über 80 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2009/10 ist ihre Dreizügigkeit – trotz allgemein sinkender Kinderzahl – auch für das nächste Jahr erreicht. Auch dies ist sicherlich Ausdruck des Vertrauens der Waltroper Familien in die Qualität der an der Barbaraschule seit nunmehr 100 Jahren zum Wohle der Kinder geleisteten Arbeit.